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11.02.12

Podiumsdiskussion: Wollen wir den mündigen Bürger im Gesundheitswesen?

Mittwoch, 01. November 2006

Wie viel Mündigkeit wollen wir im Gesundheitssystem? Dies war eine der zentralen Fragen der Podiumsdiskussion „Wege zu einem zukunftsfähigen Gesundheitssystem“, zu der die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) und die Hertie School of Governance am 30. Oktober 2006 eingeladen hatten. Professor Carl Friedrich Gethmann, Direktor der Europäischen Akademie und Sprecher einer Autorengruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die vor kurzem das „Manifest Gesundheitssystem“ veröffentlichte, bedauerte, dass sich die derzeitige politische Diskussion nur noch auf Finanzierungsfragen konzentriere. Er verwies darauf, dass die beteiligten Wissenschaftler dringend ein „Ausdehnen der Sozialen Marktwirtschaft auf den Gesundheitsbereich“ anraten. „Wir wollen die Kräfte des Marktes in kanalisierter Form für den Gesundheitsbereich nutzen“, so Gethmann, „wobei Kanalisierung bedeutet, dass jeder versichert sein muss und die Krankenkassen jeden aufnehmen müssen.“ Professor Gethmann machte in seinen Statements deutlich, dass das deutsche Gesundheitssystem ein System des institutionali-sierten Machtmisstrauens sei, deshalb sei das System träge und reagiere es zu langsam auf Herausforderungen, die tagesaktuell sind, so dass der Anschein eines permanenten Reparaturbedarfs entstehe.

„Was wir brauchen“, so der Präsident der BBAW, Professor Günter Stock, „ist Transparenz über die Leistungserbringung und die Kosten, ein zunehmendes Maß an Eigenverantwortung und eine grundlegende Reorganisation des Versicherungswesens mit erhöhten Wahlmöglichkeiten für die Bürger. Insgesamt benötigen wir mehr private Initiativen.“

Professor Kurt Biedenkopf, Kuratoriumsvorsitzender der Hertie School of Governance, bezeichnete das bestehende Gesundheitssystem als „planwirtschaftliches System“, in dem der Staat eine zu starke Rolle spiele und deshalb eine Vielzahl von Lobbyisten schaffe. „Eine sternförmige Organisation, mit dem Staat in der Mitte, muss jeden Staat überfordern.“

Dr. Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, ging auf die Forderung nach mehr Mündigkeit der Bürger ein und wies darauf hin, dass der aktuelle Entwurf der Großen Koalition zur Gesundheitsreform sehr viel mehr Wahlmöglichkeiten enthalte als der frühere. Er verwies aber gleichzeitig auf die Notwendigkeit zur finanziellen Absicherung der derzeitigen Finanzierungssysteme. Er machte außerdem deutlich, dass der Staat nicht darauf verzichten könne, einen Ordnungsrahmen für das Gesundheitssystem zu schaffen.

 

Dokumente
PMGesundheitPodium30.10.06.pdf (37 KB)
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