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09.09.10

Philosoph Carl Friedrich Gethmann hält Antrittsvorlesung anlässlich seiner Ernennung zum Honorarprofessor an der Universität zu Köln

Montag, 21. Juni 2010

Bad Neuenahr-Ahrweiler, 21. Juni 2010. – Universitätsprofessor Dr. phil. Dr. phil. h.c. Carl Friedrich Gethmann, Direktor der Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH und ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Duisburg-Essen, wurde zum Honorarprofessor an der Universität zu Köln ernannt. Gethmann wird sich dabei in Zusammenarbeit mit dem Husserl-Archiv der Universität zu Köln vor allem mit der phänomenologischen Forschung und ihrer Bedeutung für die modernen Wissenschaften befassen. Zu seiner Antrittsrede wurde er von Professor Dr. phil. Dr. phil. h.c. Andreas Speer, dem geschäftsführenden Direktor des Philosophischen Seminars der Universität zu Köln und apl. Professor Dr. phil. Dieter Lohmar, Leiter des Kölner Husserl-Archivs, begrüßt.

Edmund Husserl (1859–1938) gilt in der Philosophie als Begründer der phänomenologischen Schule, der u. a. Martin Heidegger und Oskar Becker angehörten. Obgleich schon zu Lebzeiten als einer der bedeutendsten Philosophen des zwanzigsten Jahrhunderts anerkannt, wurde er als Spross einer jüdischen Familie nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten schikaniert; seine Bücher konnten nicht mehr erscheinen. Das umfangreiche, aus zeithistorischen Gründen nur zum kleineren Teil zu Lebzeiten des Autors veröffentlichte Werk wird in mehreren Archiven, unter anderem im Kölner Husserl-Archiv, ediert und kommentiert. Zugleich wirken die Husserl-Archive als Zentren der phänomenologischen Forschung.

Gethmann hat in seiner Antrittsvorlesung „Die Aktualität der Phänomenologie. Überlegungen zur De-Naturalisierung und De-Mentalisierung der transzendentalen Subjektivität“ den hohen Stellenwert des phänomenologischen Ansatzes auch für die gegenwärtige philosophische Forschung unterstrichen. So sei gegen aktuelle Tendenzen an Husserls Überzeugung festzuhalten, dass sich das Ich, das sich als Zentrum der eigenen Welterfahrung nicht wegdenken könne, nicht auf eine rein „naturalistische“ Beschreibung der Aktivitäten des menschlichen Denk- und Wahrnehmungsapparates reduzieren ließe. Ebenso wenig aber dürfe dieses Ich, auf das notwendigerweise alle Wahrnehmung und Deutung der Welt immer bezogen sei, als bloße kulturelle Konstruktion missverstanden werden. Eine angemessene Rekonstruktion wird allerdings – in Fortentwicklung des Husserlschen Ansatzes – das Ich als einen Teilnehmer an einer gemeinschaftlichen sprachlichen Praxis rekonstruieren müssen, da sonst eine Überwindung bloß subjektiver Weltdeutungen nicht möglich sei.

Neben seiner Tätigkeit als Philosophieprofessor und Direktor der Europäischen Akademie GmbH ist Gethmann Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Institutionen wie der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Von 2006 bis 2008 war er außerdem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

 

Dokumente
PM_Antrittsvorlesung_Gethmann_UniversitaetzuKoeln_21062010.pdf (174 KB)
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