• Home
  • English
23.02.12

Europäische Akademie legt neue interdisziplinäre Studie vor: „Gorleben plus“: Strategien für die Entsorgung hochradioaktiver Abfälle

Montag, 10. Oktober 2011

Berlin, 10. Oktober 2011. – In der öffentlichen Debatte um die Kernenergie wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle bisher nicht gelöst sei. Jetzt, nach dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft, stellt sich die Frage nach einer endgültigen Entsorgung gerade für die hochradioaktiven Abfälle unter veränderten Voraussetzungen und mit neuer Aktualität.

Eine interdisziplinäre Projektgruppe der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler hat sich über mehr als zweieinhalb Jahre mit der Endlagerung hochradioaktiver Abfälle aus wissenschaftlich-technischer, ethischer, soziologischer und juristischer Perspektive beschäftigt. Um die Chancen zu maximieren, in den nächsten Jahrzehnten über ein geeignetes Endlager verfügen zu können, sprechen sich die Autoren der nun vorgelegten Studie für eine Strategie „Gorleben plus“ aus. Sie sieht vor, im Rahmen eines konkreten Zeitplans die Option „Gorleben“ weiterhin zu prüfen, jedoch gleichzeitig für den Fall eines technischen oder politischen Scheiterns von Gorleben Alternativoptionen schrittweise zu entwickeln. Dieses Vorgehen würde nach Ansicht der Projektgruppe die Akzeptanz der Prüfung von Endlager-Standorten erhöhen und aus zeitlichen Gründen aussichtsreicher sein als eine alleinige weitere Prüfung von Gorleben. Zur Umsetzung dieser Strategie hat die Gruppe Entscheidungsbäume entwickelt, die die für die Endlagersuche notwendigen Schritte ausführlich darstellen und in einen möglichen Zeitrahmen einordnen.

Die Empfehlungen der Autoren betreffen auch die Ausgestaltung des institutionellen Rahmens für das weitere Vorgehen bei der Standortsuche und Errichtung eines Endlagers. Sie beschreiben ferner Entscheidungsprozeduren, die eine verbesserte Information über die Gestaltung und Sicherheitskriterien für Endlager sowie eine angemessene Einbeziehung der Öffentlichkeit ermöglichen. Dies soll in einer Weise geschehen, die auch vor künftigen Generationen verantwortet werden kann.

Am 10. Oktober 2011 legt die Arbeitsgruppe ihren Schlussbericht „Radioactive Waste. Technical and Normative Aspects of its Deposition“ (Radioaktive Abfälle. Technische und Normative Aspekte ihrer Entsorgung) nun vor. Der englischsprachige Schlussbericht (Springer Verlag) enthält auch eine umfängliche Zusammenfassung sowie konkrete Handlungsempfehlungen in deutscher Sprache. An der öffentlichen Präsentation in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften nehmen neben zahlreichen Interessierten aus der Politik und den Wissenschaften auch Vertreter der entsorgungsverantwortlichen Unternehmen und einer interessierten Öffentlichkeit teil.

 

Veröffentlichung: Christian Streffer, Carl Friedrich Gethmann, Georg Kamp, Wolfgang Kröger, Eckard Rehbinder, Ortwin Renn, Klaus-Jürgen Röhlig (2011)

 Radioactive Waste. Technical and Normative Aspects of its Disposal

 Band 38 der Reihe Ethics of Science and Technology Assessment, Springer Verlag

Hier können Sie den Auszug aus der Studie herunterladen.

 

Mitglieder der Projektgruppe:

Professor em. Dr. rer. nat. Dr. med. h. c. Christian Streffer, Vorsitzender, Universität Duisburg-Essen, Institut für Wissenschaft und Ethik

Professor Dr. phil. Dr. phil. h. c. Carl Friedrich Gethmann, Universität Duisburg-Essen, Institut für Philosophie; Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH

Dr. phil. Georg Kamp, Projekt-Koordinator, Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH

Professor Dr.-Ing. Wolfgang Kröger, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, Institut für Energietechnik

Professor em. Dr. jur. Eckard Rehbinder, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Fachbereich Rechtswissenschaft

Professor Dr. rer. pol. Dr. sc. tech. h. c. Ortwin Renn, Universität Stuttgart, Institut für Sozialwissenschaften

Professor Dr. rer. nat. Klaus-Jürgen Röhlig, Technische Universität Clausthal, Institut für Endlagerforschung

 

Weitere Informationen siehe unten und: Friederike Wütscher, Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit

Dokumente
PM_RadioactiveWastePraesentation_10102011.pdf (210 KB)
Auszug_Radioactive_Waste_deutsch_01.pdf (735 KB)
Einladung_Praes_Radioactive_Waste_10102011_02.pdf (288 KB)
  • Seite empfehlen
  • PDF erstellen