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Ethische Probleme auf dem Weg zur High-Tech-Medizin
5.2.1998 Professor Dr. Jürgen Mittelstraß (Universität Konstanz)
Krankheit gehört zur Natur des Menschen wie Gesundheit, Leid und Glück. Sie erinnert den Menschen zugleich daran, daß er sich selbst nicht völlig verfügbar ist. Auf der anderen Seite nehmen in der modernen naturwissenschaftlichen und medizinischen Entwicklung die Möglichkeiten eines verfügenden Zugriffs auf den Menschen zu. Der Fortschritt der medizinischen Technik hat, verglichen mit früheren Phasen der Menschheit, zu einer ungeheuren Verselbständigung des Umgangs mit Krankheit und Gesundheit gegenüber dem Patienten geführt. Manche Krankenhäuser gleichen schon heute High Tech-Laboren, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Sie verheißt immer neue Siege über die Krankheit, bringt aber auch Probleme mit sich, vor allem Probleme, die der Mensch mit seiner eigenen Leiblichkeit hat, und, häufig damit verbunden, ethische Probleme.
Der Vortrag befasste sich vor diesem Hintergrund mit den Begriffen Gesundheit und Krankheit, mit der Entwicklung einer high-Tech-Medizin im Zuge der weiteren Verwissenschaftlichung der Medizin, mit den Problemkreisen Selbstbestimmung und eigener Tod und mit dem Verhältnis von Medizin und Ethik. Dabei soll versucht werden, die conditio humana, d. h. die Befindlichkeit des Menschen in der modernen wissenschaftlich und technisch bestimmten Welt, neu zu vermessen.
Dr. phil. Dr. h.c. mult. Jürgen Mittelstraß ist seit 1970 ordentlicher Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Konstanz, seit 1990 zugleich Direktor des Zentrums Philosophie und Wissenschaftstheorie.
Er war Mitglied des Rates für Forschung, Technologie und Innovation beim Bundeskanzler und ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (Berlin), der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Halle/Saale), der Academia Europaea (London, Vizepräsident 1994–2000, seit 2002 Präsident), der Pontificia Academia Scientiarum (Rom), des Konvents für Technikwissenschaften der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften e.V. (akatech), Korrespondierendes Mitglied der Académie Internationale d'Histoire des Sciences (Paris) und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Wien).


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