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01.08.10

Moral als Preis der Moderne

12.3.1997 Professor Dr. O. Höffe (Universität Tübingen)

Die wissenschaftlich-technische Zivilisation ist wesentlich ein Ergebnis des „Projektes der Moderne“, das sich die Freiheit des Menschen von natürlichen und sozialen Zwängen zur Aufgabe gemacht hat. Viele Menschen haben heute jedoch die Befürchtung, dass sich die durch den wissenschaftlichen Fortschritt eröffneten neuen Handlungsmöglichkeiten in Technik, Umwelt und Medizin gegen die Freiheit des Menschen wenden. Mit zunehmender Dringlichkeit wird nach der Verantwortung und damit nach der Moral gefragt. Professor Höffe diskutierte das „Projekt der Moderne“ aus Sicht der frühzeitlichen Naturforschung und den neuesten Wissenschaften, wie die Genforschung und Molekulargenetik. Seine abschließende Aussage lautete: „Je moderner die Forschung ist, das heißt: je tiefer sie in die Bausteine der Materie und des Lebens eindringt, desto gravierender wird die moralische Fehlbarkeit.“ Seiner Meinung nach sollten Debatten um neue Forschungen nicht erst im Nachinein stattfinden, sondern vielmehr begleitend und vorab geführt werden.
Dr. phil. Otfried Höffe ist ordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Tübingen und Mitglied der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen. Er ist Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Korrespondierendes Mitglied des Collegium Europaeum Jenense,
Gastprofessor der Harvard University, St. Louis University und Rechtsphilosophie an der Universität St. Gallen.

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