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Bioethics in a Small World
Frühjahrstagung 2003:
10.–12.4.2003, Bad Neuenahr-Ahrweiler
Im Mittelpunkt der Tagung standen bioethische Probleme der Globalisierung; dabei wurden sowohl methodologische Fragen als auch praktische Probleme erörtert. Den Auftakt der wissenschaftlichen Tagung bildete das Thema „Bioethik als Wissenschaft und ihre Anwendung in der Politik“ sowie eine Debatte über die Schwierigkeiten der bioethischen Politikberatung. Nach Ansicht von Udo Schüklenk, Johannesburg, wird die bioethische Forschung zunehmend durch Interessengruppen, wie z.B. die Pharmaindustrie, behindert. Schüklenks Verdacht der strukturell bedingten Korruptionsanfälligkeit bioethischer Forschung wurde von vielen Diskussionsteilnehmern, u.a. auch durch den Vortrag von Edgar Morscher, Salzburg, vehement bestritten. Bezüglich der Frage, ob bioethische Grundprinzipien (wie das Prinzip des „informed consent“) kulturinvariante Geltung beanspruchen könnten, äußerte sich der Berliner Kulturphilosoph Oswald Schwemmer skeptisch, weil die Geltung moralischer Überzeugungen nur auf dem Hintergrund einer gemeinsamen historischen Erfahrung möglich sei. Von Vertretern der Entwicklungsländer wurde vor allem auf der universellen Gültigkeit der Menschenrechte bestanden, andererseits aber auch auf das Recht kultureller Identität in der Beurteilung medizinischer Handlungsoptionen hingewiesen. Die Diskussion zeigte, dass in der Frage der kulturübergreifenden Gültigkeit von Grundregeln der Bioethik und damit z.B. der Möglichkeit globaler Konventionen noch erheblicher Klärungsbedarf besteht.
Professor Carmel Shalev, Tel Aviv, Dr. Georg Marckmann, Tübingen, Nathan Ford, London, Dr. Richard Ashcroft, London, diskutierten zum Thema „Bereitstellung von Medikamenten in den Entwicklungsländern“. Zum einen sind Medikamente, die unter Patentschutz stehen, oftmals für die in diesen Ländern lebenden Menschen nicht erschwinglich. Zum anderen gibt es Krankheiten, unter denen vorwiegend diese Menschen leiden, so dass eine hinreichend zahlungskräftige Nachfrage fehlt, um die Kosten der Entwicklung eines Medikamentes zu decken. Neben der Problematik, diese Medikamente zu akzeptablen Preisen zur Verfügung zu stellen bzw. überhaupt erst zu entwickeln, kam vor allem zur Sprache, welche Akteure (Staaten, Pharmaunternehmen) in der Verantwortung stehen, diese Mängel zu beheben.
Referenten waren: Dr. Richard E. Ashcroft (Imperial College, London), Professor Dr. Abdallah S. Daar (University of Toronto), Nathan Ford (Médecins Sans Frontières, London), Professor Dr. Michiel Korthals (Wageningen University and Research Centre), Dr. Georg Marckmann (Universität Tübingen), Professor Dr. Edgar Morscher (Universität Salzburg), Dr. Bronwyn Parry (King's College, Cambrigde), Professor Dr. Udo Schüklenk (University of the Witwatersrand), Professor Dr. Oswald Schwemmer (Humboldt-Universität zu Berlin), Dr. Carmel Shalev (Gertner Institute, Tel Hashomer), Professor Dr. Dr. h. c. Joseph Straus (Max Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs-und Steuerrecht, München), Professor Dr. Godfrey B. Tangwa (University of Yaounde)


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