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10.02.12

Die Natur des Menschen in den Wissenschaften. Aktuelle Herausforderungen aus französisch-deutscher Perspektive

Herbsttagung 2003:
17.–19.9.2003, Koblenz

Wissenschaftler aus Frankreich und Deutschland diskutierten zum Thema „Human Nature and the Sciences. Current Challenges in a Franco-German Perspective“ in drei Sektionen die Bedeutung von Entwicklungen der Neurowissenschaften, der Genetik und der Medizin für unser Bild vom Menschen und der condition humaine.

Die Tagung wurde mit einem Vortrag des Neurobiologen Professor Dr. Michel Imbert (École Normale Supérieure Paris) über die modernen bildgebenden Verfahren der Neurowissenschaften eröffnet. Durch diese Verfahren wird es möglich, auch moralische Einstellungen und Verhaltensweisen zu untersuchen. Es entspann sich eine Debatte über die Art und Weise, wie sich die Neurowissenschaften moralischer Begriffe bedienen – etwa des Begriffes der „moralischen Urteilsbildung“, des „freien Willens“ u.a.m.

Probleme der Sterbehilfe wurden von den Philosophen Professor Dr. Paula La Marne, (Université Paris VI), und Professor Dr. Michael Quante, (Universität Duisburg-Essen) diskutiert. Während La Marne die Ansicht vertrat, dass ein Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung die Legalisierung der Sterbehilfe überflüssig machen könnte, war Quante der Meinung, dass auch die im Prinzip wünschenswerte Stärkung der Palliativ-Medizin, nicht alle Wünsche nach aktiver Sterbehilfe beseitigen könne. Darüber hinaus argumentierte Quante, dass Abwägungen über dieLebensqualität eines Menschen nicht notwendigerweise die Würde dieses Menschen verletzen müssen, so dass auch in Entscheidungen am Lebensende Bewertungen der Lebensqualität des Sterbenden einfließen können.

In einer weiteren Sektion diskutierte der Genetiker Professor Dr. Arnold Munnich, (Université Paris V) sowie die Philosophen Professor Dr. Carl Friedrich Gethmann, (Europäische Akademie), und Professor Dr. Claude Debru (École Normale Supérieure Paris), die medizinischen und moralischen Probleme eines gezielten Eingriff des Menschen in das Genom von Individuum und damit auch indirekt in die Evolution. Dabei herrschte die Auffassung vor, dass ein solches Vorgehen in gewissen Grenzen moralisch erlaubt bzw. möglicherweise sogar geboten ist.

Die Konferenz hat gezeigt, dass zwischen den medizinethischen Überzeugungen und Verfahren in der deutschen und der französischen Denktradition erhebliche Unterschiede bestehen. Mit Blick auf die notwendige europäische Rechtsharmonisierung will die Europäische Akademie auch in Zukunft Konferenzen dieser Art durchführen. Die Ergebnisse der Tagung werden durch die Organisatoren der Tagung publiziert.

Referenten waren: Professor Dr. Michel Imbert (École Normale Supérieure Paris), Professor Dr. Paula La Marne, (Université Paris VI), Professor Dr. Michael Quante (Universität Duisburg-Essen), Professor Dr. Arnold Munnich (Université Paris V) Professor Dr. Carl Friedrich Gethmann (Europäische Akademie), Professor Dr. Claude Debru (École Normale Supérieure Paris).

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