• Home
  • English
10.02.12

Bioethik in Polen und Deutschland. Tradition und Kontroversen

Herbsttagung 2004:
26.9.–28.9.2004, Lódz, Polen

Die Herbsttagung „Bioethik in Polen und Deutschland. Tradition und Kontroversen“ fand vom 26.–28. September 2004 in Lódz, Polen statt und wurde gemeinsam von der Europäischen Akademie und dem Lehrstuhl für Ethik der Universität Lódz veranstaltet. Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Österreich und Polen diskutierten in vier Sektionen und einer Podiumsdiskussion über die Rolle, die theoretische und angewandte Bioethik in Polen einnehmen sollte und über die folgenden Fragestellungen:

Die erste Sektion über „Euthanasie“ wurde mit einem Vortrag von Professor Dr. Dieter Birnbacher, Universität Düsseldorf eröffnet, im dem er darlegte in welchen Fällen terminale Sedierung als Euthanasie klassifiziert werden kann, und daß in diesen Fällen die Zustimmung des Patientens sichergestellt sein muß. Professor Dr. Jacek Holówka, Universität Warschau, analysierte Argumente, die typischerweise von Verteidigern eines natürlichen Todes und von Verteidigern eines Freitodes genutzt werden. Er stellte dann in Frage, daß Sterbehilfe automatisch als schlimmer eingestuft werden muß, als assistierter Selbstmord. In der zweiten Sektion über „Das Recht zu leben- Das Recht zu sterben“ forderte Professor Dr. Barbara Chyrowicz, Katholische Lublin, daß in Situationen, die moralisch nicht eindeutig einzustufen sind, Alternativen, in denen man moralisch sicher sei, vorzuziehen sind. Danach präsentierte, Dr. Heinrich Ganthaler, Universität Salzburg, eine logische Analyse von drei unterschiedlichen Positionen: der eingeschränkten Doktrin der Heiligkeit des Lebens und eine starke und schwach liberale Position. In der dritten Sektion über „Ethische Probleme in der Medizin“ analysierte Professor Dr. Alicja Przyluska-Fiszer, Universität Warschau, die Debatte in Polen über embryonale Stammzellen und und schlug vor, wie sich die bioethische Forschung in dieser Art von Diskurs positionieren sollte. Danach stellte die Biologin Dr. Margret Engelhard, Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler, eine neue pharmazeutische Technik zur Herstellung von Biopharmazeutika vor, die „Pharming“ genannt wird, und regte eine bioethische Debatte über das Thema an. In der letzten Sektion debattierten Professor Dr. Michael Quante, Universität Essen, und Professor Dr. Piotr Morciniec, Universität Oppeln, über ethische Aspekte von „Anreizen zur Organspende“. Quante widerlegte kategorische Argumente für und gegen Anreize zur Organspende. Er sprach sich aber gegen die Einführung von Anreizen in der Organspende aus, da damit die Warentauschlogik in das Personen-Leib-Verhältnis eingeführt würde, welches diese beschädigen könnte und nicht ohne Not aufgegeben werden sollte. Morciniec argumentierte, daß Anreize zur Organspende – ähnlich wie in der Prostitution – zu einer moralisch nicht tragbaren Instrumentalisierung des Körpers führen würde. Außerdem könnte die Einführung von Anreizsystemen zu einer Abnahme von Organspendern in der Post Mortalen Organspende (crawling out effects) führen und zu einer Diskriminierung von wenig gebildeten Bevölkerungsschichten.

Referenten waren: D. Birnbacher (Düsseldorf), J. Holówka (Warschau), B. Chyrowicz (Lublin), H. Ganthaler (Salzburg), Z. Szawarski (Warschau), M. Engelhard (Bad Neuenahr-Ahrweiler), M. Quante (Essen), P. Morciniec (Oppeln), P. Lukow (Warschau), J. Hartmann (Krakau), M. Wichrowski (Warschau).

  • Seite empfehlen
  • PDF erstellen