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17.07.19

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Potentiale und Risiken des pharmazeutischen Enhancements psychischer Eigenschaften

Unter „Neuroenhancement“ versteht man die Verbesserung kognitiver Fähigkeiten oder der emotionalen Befindlichkeit über das „normale“ bzw. „nicht krankhaft veränderte“ Maß hinaus. Insbesondere zur Nutzung verschreibungspflichtiger Psychopharmaka durch gesunde Menschen, die ihr Gedächtnis, ihre Konzentrationsfähigkeit oder ihre Stimmung verbessern wollen, gibt es seit einigen Jahren eine lebhafte Debatte. So wird bestimmten Antidepressiva nachgesagt, sie könnten Gesunden dazu verhelfen, sich „besser als gut“ zu fühlen. Andere Präparate, die für die Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen entwickelt wurden, sollen zunehmend von Studenten zur Effizienzsteigerung in der Prüfungsvorbereitung verwendet werden.

Im Rahmen des von der Europäischen Akademie GmbH koordinierten Forschungsverbunds wertete ein medizinisches Teilprojekt wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit der meistdiskutierten Neuroenhancement-Präparate aus. Drei weitere Teilprojekte haben sich mit ethischen und rechtlichen Fragen des pharmazeutischen Neuroenhancements befasst. Es wurden keine überzeugenden grundsätzlichen Einwände gegen die nicht-therapeutische Verbesserung der Psyche mit Medikamenten gefunden. Dennoch ist Vorsicht im Umgang mit Neuroenhancement-Präparaten angebracht, weil sich aus ihrer Nutzung unerwünschte Folgen für den einzelnen Anwender und die Gesellschaft als Ganze ergeben können.

In dem Memorandum „Das optimierte Gehirn“ haben die Mitglieder der Forschungskooperation Empfehlungen formuliert, die die verantwortungsvolle Erforschung und Anwendung der Möglichkeiten des pharmazeutischen Neuroenhancements fördern sollen. Weitere Ergebnisse des Projekts sind in wissenschaftlichen Fachzeitschriften erschienen.

Projektgruppe (Teilprojektleiter)

  • Dr. phil. Thorsten Galert, M.A., Bad Neuenahr-Ahrweiler
  • Professor Dr. med. Isabella Heuser, Berlin
  • Professor Dr. iur. Reinhard Merkel, Hamburg
  • Professor Dr. med. Bettina Schöne-Seifert, Münster

Projektmitarbeiter

  • Christoph Bublitz, LL.B., Hamburg
  • Dimitris Repantis, M.D., Berlin
  • Davinia Talbot, M.A., Münster

 

Projektkoordination: Dr. phil. Thorsten Galert, M.A.

 

Kontakt:

Priv.-Doz. Dr. med. Felix Thiele, M.Sc.

Tel./e-mail: +49 (0) 2641 973-304 • felix.thiele ea-aw.de

Veröffentlichungen aus dem Projekt

J. C. Bublitz, R. Merkel: “Autonomy and authenticity of enhanced personality traits”, in: Bioethics 23/6 (2009), 360–374.

J. C. Bublitz: “Doping-Kontrollen im Staatsexamen? Über leistungssteigernde Substanzen und Chancengleichheit in Prüfungen”, in: Zeitschrift für das Juristische Studium 3/2010, 306–317.

T. Galert: “‘Das optimierte Gehirn’ – Potenziale und Risiken des pharmazeutischen Enhancements psychischer Eigenschaften”, in: Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis 19/1 (2010), 67–70.

T. Galert, J. C. Bublitz, I. Heuser, R. Merkel, D. Repantis, B. Schöne-Seifert, D. Talbot: “Das optimierte Gehirn. Ein Memorandum zu Chancen und Risiken des Neuroenhancements”, in: Gehirn&Geist 11/2009: 40–48.

I. Heuser: “Psychopharmaka zur Leistungsverbesserung”, in: Deutscher Ethikrat (eds.), Der steuerbare Mensch? Über Einblicke und Eingriffe in unser Gehirn, Vorträge der Jahrestagung des Deutschen Ethikrates 2009, Berlin 2009, 49–55.

R. Merkel: “Mind Doping? Eingriffe ins Gehirn zur Verbesserung des Menschen: Normative Grundlagen und Grenzen”, in: N. Knoepffler, J. Savulescu (eds.), Der neue Mensch? Enhancement und Genetik, Alber, Freiburg 2009, 177–212.

R. Merkel: “Neuartige Eingriffe ins Gehirn – Verbesserung der mentalen condicio humana und strafrechtliche Grenzen”, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 121 (2009), 919–953.

D. Repantis, P. Schlattmann, O. Laisney, I. Heuser: “Antidepressants for neuroenhancement in healthy individuals: A systematic review”, in: Poiesis & Praxis 6/3–4 (2009), 139–174.

D. Repantis, O. Laisney, I. Heuser: “Acetylcholinesterase inhibitors and memantine for neuroenhancement in healthy individuals: A systematic review”, in: Pharmacological Research 61/6 (2010), 473–481.

D. Repantis, P. Schlattmann, O. Laisney, I. Heuser: “Modafinil and methylphenidate for neuroenhancement in healthy individuals: A systematic review”, in: Pharmacological Research 62/3 (2010), 187–210.

D. Repantis: “Die Wirkung von Psychopharmaka bei Gesunden“, in: A. Wienke, W. H. Eberbach, H.-J. Kramer, K. Janke (eds.), Die Verbesserung des Menschen: Tatsächliche und rechtliche Aspekte der wunscherfüllenden Medizin, Springer, Heidelberg/New York 2009, 63–68.

B. Schöne-Seifert, D. Talbot: “Einleitung”, in Schöne-Seifert/Talbot (eds.), Enhancement. Die ethische Debatte, Mentis, Paderborn 2009, 9–21.

B. Schöne-Seifert, D. Talbot: “(Neuro-)Enhancement”, in: H. Helmchen, N. Sartorius (eds.), Ethics in Psychiatry. European Contributions, Springer, Heidelberg/New York 2010, 509–531.

B. Schöne-Seifert, D. Talbot: “The debate on neuroenhancement: What can bioethics learn from the history of amphetamine use?”, in: BioSocieties (in press).

D. Talbot: “Pharmakologisches Enhancement – Eine Einführung in nichtmedizinische Anwendungen von Arzneimitteln zu Verbesserungszwecken”, in: A. Wienke, W. H. Eberbach, H.-J. Kramer, K. Janke (eds.), Die Verbesserung des Menschen: Tatsächliche und rechtliche Aspekte der wunscherfüllenden Medizin, Springer, Heidelberg/New York 2009, 69–78.