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16.12.18

„Die Innovationsfähigkeit von Forschungseinrichtungen fördern, zum Nutzen der Gesellschaft“ - Ein Gespräch mit Davy van Doren, Koordinator unseres Projektes Enabling Innovation by Simulation (EIS)

Eine Verbesserung der Innovationsfähigkeit außeruniversitärer Forschungsgesellschaften könnte die Nutzbarmachung von Forschungsergebnissen beschleunigen und so einen wichtigen Impact für die Gesellschaft haben. Davy van Doren arbeitet seit über einem Jahr im, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom DLR-Projektträger geförderten Forschungsprojekt Enabling Innovation by Simulation (EIS), das die Innovationsfähigkeit in Forschungseinrichtungen stärken möchte. Er entwickelt im Projekt zusammen mit Pascal Schwabe Simulationsmodelle, die Forschungsgesellschaften anschaulich machen sollen, wo Optimierungspotenzial besteht.

Ansgar Skoda spricht mit Davy van Doren über seine Tätigkeit als Leiter des EIS-Projektes. Im Interview berichtet Herr van Doren über seinen wissenschaftlichen Hintergrund, über die Entwicklung von Simulations- und Modellierungsmethoden, und über unser hauseigenes EA Lab.

Herr van Doren, Sie sind gebürtiger Niederländer. Nach einem Master in Biologie an der Universität in Leiden haben Sie einen zweiten Master in nachhaltiger Entwicklung an der Universität Utrecht gemacht. Für unser Projekt Enabling Innovation by Simulation (EIS) kamen Sie Oktober 2016 nach Deutschland und zu uns nach Ahrweiler. Woher kam Ihr Interesse am Bereich Innovationsforschung?

Ursprünglich habe ich wissenschaftlich ganz klassisch im Fach Biologie angefangen. Nach diesem ganz stark naturwissenschaftlichen Fokus bezog ich bei meinem zweiten Studium die soziale Ebene etwas mehr ein. Vor einigen Jahren bot sich mir die Möglichkeit beim Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe im Schwerpunkt Synthetische Biologie zu arbeiten. So bin ich zur Innovationsforschung gekommen, die mich bisher begeistert hat. Nach vier Jahren Fraunhofer war die Innovationsforschung schon sehr in meiner Denkweise verankert. Dann bot sich die Möglichkeit, hier in das laufende EIS-Projekt einzusteigen, das bei meinem Eintritt bereits ein Jahr bestanden hat.

Was kann man sich unter dem Projekt EIS vorstellen?

Im EIS-Projekt geht es darum, Kenntnisse zu generieren, wie die Innovationsfähigkeit von Forschungsinstituten verbessert werden kann. Hier liegt unser Ausgangspunkt. Unter den vielen Forschungsorganisationen in Deutschland fokussieren wir uns auf vier große Forschungsorganisationen – die Fraunhofer-Gesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft. Mehr und mehr fokussieren wir uns auf nationaler und internationaler Ebene auf den unmittelbaren Zweck von Forschungsprojekten für die Gesellschaft. Das produzierte Wissen soll Anwendung finden. Aber da wir wissen, dass nicht jedes Forschungsinstitut gleich ist, sollen verschiedene Forschungsarten berücksichtigt und verwertet werden.

Im EIS-Projekt möchten wir die Forschungsgesellschaften mehr an die Innovationsperspektive heranführen. Um die Forschungsgesellschaften informieren oder beraten zu können, wie die Innovationsfähigkeit verbessert werden kann, entwickeln wir Modelle. In diesen Modellen versuchen wir Innovationssysteme aufzuzeigen, in denen Kapazitäten und Ziele im Zusammenhang mit organisatorischen Prozessen von Instituten dargestellt werden können. Zum Beispiel integrieren wir in unseren Analysen, wie Forschungsinstitute oder Organisationen aktiv sind, wie sie forschen, und mit welchen Partnern sie in Forschungs- und Innovationsprojekten kollaborieren. Auch betrachten wir wie die Koordination und Kommunikation in einem Institut läuft, wie das Übertragen von Kenntnissen stattfindet, oder wie bestimmte Anreizsysteme eine starke Innovationsperspektive eröffnen können.

Wie erhalten Sie die Informationen von den außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die für das EIS-Modell vorausgesetzt werden?

Einerseits benutzen wir externe Quellen – zum Beispiel durch die Analyse von Jahresberichten oder Datenbanken – um auf Meta-Ebene eine Typologie von Forschungsinstituten darstellen zu können. Andererseits arbeiten wir auch mit den Instituten für unsere Forschung zusammen und erhalten Informationen seitens der Institute. Für unser Projekt gibt es einen fachlichen und strategischen Beirat mit Vertretern aus einzelnen Forschungsinstituten, so dass diese die Ansätze, die wir in unseren Projekten erstellen, überprüfen können – ob das, was wir hier entwickeln, mit der Realität auch übereinstimmt. Neben der Beiratskomponente haben wir auch mehrere Interviews durchgeführt. Hier erhielten wir Insights, zum Beispiel, was für die Institute wichtige oder weniger wichtige Innovationsprozesse oder Erfolgskriterien sind, oder welche Ähnlichkeiten zwischen Instituten bestehen. Da Innovationsprozesse innerhalb der jeweiligen Einrichtungen unterschiedlich verlaufen können, sind genau solche Hinweise für uns sehr wichtig. Einerseits möchten wir ein Modell machen, was allgemein nutzbar ist. Andererseits müssen wir das Modell auch so gestalten, dass unterschiedliche Institutstypen einbezogen werden können.

Trotz der Fokussetzung auf die Fraunhofer Forschungsgesellschaften wird das Modell auch für andere außeruniversitären Forschungsinstitute entwickelt. Wird sichergestellt, dass das Modell die Innovationsfähigkeit in anderen Forschungsgesellschaften individuell zugeschnitten fördern kann?

Obwohl unser analytischer Fokus auf Fraunhofer liegt, soll das entwickelte Modell auch für andere Forschungsgesellschaften nutzbar sein. Eine Relevanz für andere außeruniversitäre Forschungseinrichtungen erhöht sich dadurch, dass auch Daten der verschiedenen anderen Forschungsgesellschaften in die Analyse mit einbezogen werden. In unserem fachlichen und strategischen Beirat beraten uns auch Vertreter anderer Forschungsgesellschaften. Im Rahmen des EIS-Projektes dürfte die Zeit zu knapp werden, um für jede Forschungsgesellschaft ein individuell zugeschnittenes Modell zu entwickeln. Ein Basismodell für alle Forschungsgesellschaften wird jedoch geschaffen.

Das EIS-Projekt hat nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine wirtschaftliche Ebene. Können Sie etwas darüber erzählen, welchen Nutzen die wirtschaftlichen Partner im EIS-Projekt vom Modell haben werden?

Das EIS-Projekt baut auf der Methodik Enabling Innovation (EI) auf, ein Workshop-Tool, das durch unseren Partner Görgen & Köller GmbH eingesetzt wird, um Forschungsinstitute auf Management-Ebene beraten zu können. Wir versuchen EI zu ergänzen oder zu unterstützen mit einem Simulationsmodell. Trotzdem ist das Zusammenbringen von EI und EIS eine Herausforderung, da der Fokus der beiden Methoden auf unterschiedlichen Innovationsprozessen liegt und unterschiedliche Datenverarbeitungsansätze verwendet. Aber wir sind optimistisch, dass wir dies zusammenbringen können.

Was kann man sich unter unserem EA Lab vorstellen?

Wir haben ein ausgezeichnetes Lab mit vielen technischen Möglichkeiten. Intern überlegen wir momentan, was wir mit der technischen Infrastruktur in EIS umsetzen möchten. Wir haben immer im Hinterkopf, dass wir in der Modellentwicklung unser Lab als potenzielle Benutzungsplattform einsetzen können. Auch haben wir schon verschiedene Konzepte bedacht, wie die Modellergebnisse gut präsentiert werden können. Hier denken wir an bestimmte Visualisierungsoberflächen, die durch die Möglichkeiten unseres Labs realisierbar gemacht werden können.

Wo liegen Schwerpunkte Ihrer zukünftigen Forschungsinteressen? Was ist Ihnen hier besonders wichtig?

Innovationsforschung – meinen aktuellen Schwerpunkt - finde ich sehr interessant. Ich war jedoch auf ganz vielen verschiedenen wissenschaftlichen Ebenen bereits beschäftigt und möchte deshalb zu zukünftigen Schwerpunkten nicht zu viel sagen. Jetzt gefällt es mir hier ziemlich gut und es ist eine spannende und tolle Zusammenarbeit.

Was macht Ihnen Spaß an Ihrer Arbeit?

Forscher lieben zu forschen. Ich muss das Gefühl haben, jeden Tag noch etwas lernen zu können. Wenn ich jeden Tag noch etwas lernen kann und darf, bin ich glücklich.

Herr van Doren, herzlichen Dank für das Gespräch!

Happy Holidays