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21.08.19

Herbsttagung der Europäischen Akademie GmbH in Neuwied-Engers

Montag, 29. September 2003

Die Natur des Menschen in den Wissenschaften.

Aktuelle Herausforderungen aus französisch-deutscher Perspektive

 

Bad Neuenahr-Ahrweiler, 29. September 2003. Die Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH veranstaltete vom 17.–19. September auf Schloss Engers, Neuwied-Engers bei Koblenz, ihre diesjährige Herbsttagung zum Thema „Human Nature and the Sciences. Current Challenges in a Franco-German Perspective“. Wissenschaftler aus Frankreich und Deutschland diskutierten in drei Sektionen die Bedeutung von Entwicklungen der Neurowissenschaften, der Genetik und der Medizin für unser Bild vom Menschen und der condition humaine.

Die Tagung wurde mit einem Vortrag des Neurobiologen Professor Dr. Michel Imbert (École Normale Supérieure Paris) über die modernen bildgebenden Verfahren der Neurowissenschaften eröffnet. Durch diese Verfahren wird es möglich, auch moralische Einstellungen und Verhaltensweisen zu untersuchen. Es entspann sich eine Debatte über die Art und Weise, wie sich die Neurowissenschaften moralischer Begriffe bedienen – etwa des Begriffes der “moralischen Urteilsbildung“, des “freien Willens” u.a.m. Einige Teilnehmer waren der Auffassung, dass Neurowissenschaften und Philosophie verschiedenen Sprachspielen angehören. Andere Teilnehmer hingegen vertraten die Ansicht, dass die Neurowissenschaften einer philosophischen Fundierung bedürfen. So auch der Philosoph Professor Dr. Peter Janich, (Universität Marburg). Er argumentierte in seinem Vortrag, dass das Menschenbild der Neurowissenschaften und damit ihre Forschungsgrundlage häufig auf einem ungerechtfertigten Naturalismus beruht und revidiert werden sollte.

Probleme der Sterbehilfe wurden von den Philosophen Professor Dr. Paula La Marne, (Université Paris VI), und Professor Dr. Michael Quante, (Universität Duisburg-Essen) diskutiert. Während La Marne die Ansicht vertrat, dass ein Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung die Legalisierung der Sterbehilfe überflüssig machen könnte, war Quante der Meinung, dass auch die im Prinzip wünschenswerte Stärkung der Palliativ-Medizin, nicht alle Wünsche nach aktiver Sterbehilfe beseitigen könne. Darüber hinaus argumentierte Quante, dass Abwägung über dieLebensqualität eines Menschen nicht notwendigerweise die Würde dieses Menschen verletzen müssen, so dass auch in Entscheidungen am Lebensende Bewertungen der Lebensqualität des Sterbenden einfließen können.

In einer weiteren Sektion wurden durch den Genetiker Professor Dr. Arnold Munnich, (Université Paris V) sowie die Philosophen Professor Dr. Carl Friedrich Gethmann, (Europäische Akademie), und Professor Dr. Claude Debru (École Normale Supérieure Paris), die medizinischen und moralischen Probleme eines gezielten Eingriff des Menschen in das Genom von Individuum und damit auch indirekt in die Evolution diskutiert. Dabei herrschte die Auffassung vor, dass ein solches Vorgehen in gewissen Grenzen moralisch erlaubt bzw. möglicherweise sogar geboten ist.

Die Konferenz hat gezeigt, dass zwischen den medizinethischen Überzeugungen und Verfahren in der deutschen und der französischen Denktradition erhebliche Unterschiede bestehen. Mit Blick auf die notwendige europäische Rechtsharmonisierung will die Europäische Akademie auch in Zukunft Konferenzen dieser Art durchführen.

Die Ergebnisse der Tagung werden durch die Organisatoren der Tagung publiziert.

 

 

 

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Felix Thiele

Dipl.-Päd. Sevim Kiliç

Europäische Akademie zur Erforschung von

Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen GmbH

Tel. 02641/973-304, -313

Fax 02641/973-320

Email Felix.Thiele@DLR.de; Sevim.Kilic@DLR.de