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17.07.19

Aus Anlass des 80. Geburtstags des Malers Günther Winkler

Ausstellung in der Europäischen Akademie:

Bad Neuenahr-Ahrweiler, 4.9.2003. – In der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH wird heute eine Ausstellung mit Aquarellen, Holzschnitten und Ölbildern des expressionistischen Malers Günther Winkler eröffnet. G. Winkler lebt und arbeitet als freischaffender Maler und Dozent auf der Insel Sylt (Westerland). Sein Studium der Malerei absolvierte er als Atelierschüler von H. Herold, H. Th. Richter und K. Schmidt-Rottluff, dem Mitbegründer der expressionistischen Malergemeinschaft „Die Brücke“. Schmidt-Rottluff hat Winklers Arbeit über Jahre in Freundschaft und Ermunterung begleitet. Über die „Brücke“ ergab sich ein Kontakt zum Sympathisanten dieser Künstlergemeinschaft, Emil Nolde, und während eines Studienaufenthaltes in Dresden mit Oskar Kokoschka. ?Winkler weiß sich in seinem Werk einem Rat seines Lehrers Schmidt-Rottluff verpflichtet, dessen Programm er eigenständig sowohl in den eigenen Bildern als auch in seiner akademischen Lehre wie in der pädagogischen Arbeit um- und fortsetzt. 1967 bestärkt Schmidt-Rottluff Winkler in seiner Konzeption: „Gehe nicht zaghaft mit den Farben um, verwende reines Rot, reines Blau, reines Gelb oder Orangeton. Wähle expressive, abstrahierte Formen und Dinge. Nichts gegen neue Wege und Formen, aber ich bin der Ansicht, dass es neben der Möglichkeit, sich im Ungegenständlichen aufzulösen, ein Weitergehen auf dem Weg der Expressionisten gibt... “. Winkler geht auf diesem Weg der reinen Farben und der flächig angelegten „Zonenmalerei“ weiter, entwickelt aber zugleich durch eine an Nolde erinnernde Farbgebung und die Fähigkeit, durch nebeneinander gesetzte reine Farbzonen Raumtiefe zu erschließen, seinen eigenen Pfad, auf dem ihm Schüler in aller Welt gefolgt sind, und der internationale Anerkennung gefunden hat – wie zahlreiche Ausstellungen in In- und Ausland beweisen. ?Winkler beschränkt seine Begeisterung für das eigene Metier nicht auf die eigene Person, auch nicht auf die akademische Lehre, sondern weitet sie bewusst und mit der Zielsicherheit des Könners auf die allgemeine Bildungsarbeit aus. Auf Sylt gründet er die ersten Ferienmalkurse in Deutschland, 1975 seine eigene Malschule für Kinder und Erwachsene, wenig später eine Malschule in der Rhön, der Heimat seiner Frau. Hier wie dort ist er neben seiner Dozentur an der Akademie für Restaurierung und Gestaltung im Handwerk in München bis heute aktiv. Die Auszeichnung seiner 1994 begonnenen Malkurse bei der Lebenshilfe Sylt durch eine Medaille für ehrenamtliche Mitarbeit tut der Künstler bescheiden ab: Wichtig sei ihm die Belohnung, die er Woche für Woche in der Begeisterung der Kinder und in ihren Fortschritten habe erfahren dürfen. ?Die Bilder der hiesigen Ausstellung zeugen von dieser komplexen Tätigkeit und zugleich von Winklers unerschöpfter Begeisterung für die Kunst. Das für die deutsche Variante des Expressionismus charakteristische Programm, das Winkler in die eigene Arbeit wie in die Lehre integriert, führen hier wie dort nicht zur Wiederholung. Winklers konstruktive Übersetzung des Seherlebnisses in ein expressionistisches Bild lässt gleiches Programm (mit Schmidt-Rottluff) und gleich Erlebtes (mit Nolde, der wie Winkler die Farbenfaszination der norddeutschen Landschaft vermittelt,) zu Eigenständigem werden. Das gilt für Winklers Landschaftsauffassung, für seine Portraits und Holzschnitte; das ist Prinzip seiner Lehre. Auch hier verpflichtet er weder den akademischen Schüler noch den Laien auf die Genialität des Vorbilds, sondern geht davon aus, dass durch Tradition, durch Lehre und Lernen – wenn sie nur gekonnt angelegt und in eifrigem praktischen Studium betrieben werden – jeder zu seiner eigenen künstlerischen Expression gelangt.

Die Ausstellung ist geöffnet zu den Bürozeiten der Europäischen Akademie, Montags bis Freitags zwischen 9 und 16 Uhr, und wird bis Anfang 2004 gezeigt.