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17.07.19

„Verborgenes Spiel” – Bilder von Marliese Wagner

Verein der Förderer der Europäischen Akademie GmbH eröffnet Ausstellung:

Die Künstlerin Marliese Wagner zeichnet sich vor allem durch ihre ungewöhnliche Technik aus: Von der Hochgotik bis zur Moderne hat sie alle Malweisen erprobt – die venezianische so gut wie die flämische oder niederländische. Ihr Lehrer Vierkötter hatte seiner Schülerin kategorisch vermittelt: „Es gibt nichts Neues mehr in der Malerei.“ Für sie wirkte das wie eine Provokation: Sie besann sich auf ihre naturwissenschaftlichen Studien, insbesondere auf die Chemie, und setzte chemische Reaktionen ein, die zur Farbpigmentbildung führen. „Die Basis meiner Maltechnik ist eine chemische Experimentaltechnik. Diese neue Technik wird durch die chemischen Grundgesetze der Äquivalenz (Gleichwertigkeit) der Reaktionspartner gesteuert. Ihre chemische Umsetzung führt zum Phänomen der spontanen Farbpigmentbildung. Aus der optischen Leere, das heißt: aus dem farblosen Zustand zweier oder mehrerer, getrennt aufbewahrter wässriger Reaktionslösungen entstehen stabile und gleichzeitig strukturierte Farbstoffpigmente. Dazu müssen sie auf dem Malgrund zusammentreffen und sich mischen. Dabei kommt es zu rasch ablaufenden Ionenreaktionen. „Keine andere Technik erzeugt diese Farbstrukturen. Zuweilen wurde Marliese Wagner „Malerin ohne Pinsel“ genannt. Dies trifft allerdings nicht ganz zu: Mit dem Pinsel grundiert sie ihre Leinwände und Papiere; auch setzt sie Weißhöhungen mit dem Pinsel. Man kann sie allerdings „Malerin ohne Staffelei“ nennen. In der Vertikalen einer Staffelei würden die Farben verloren gehen; in der Horizontalen aber werden die eingegossenen Lösungen gleichsam gefangen, durch Bewegen des Bildträgers so lange verändert, bis die Strukturen der Künstlerin stimmig erscheinen. Sie setzt also auf den gelenkten Zufall. Das Ergebnis dieses gelenkten Zufalls sind zumeist gegenstandslose Bilder. In der Terminologie der modernen Kunst kann man sie als Farbfelder bezeichnen. Immerhin greift Marliese Wagner auch mit Acrylfarben ein. Damit geht im Allgemeinen die Verselbständigung der Farbe einher, also die Loslösung vom Gegenstand. Die Malerin aber lässt durchaus Assoziationen zu: häufig mit elementaren, naturhaften oder urtümlichen Erscheinungen wie „Wasser“ oder „Menhire“.Marliese Wagner: „Die Elemente eines Spiels sind Gesetz und Zufall, oder anders ausgedrückt, zum Beispiel bei einem Gesellschaftsspiel: Spielregel und Glück. Auch das Geschehen in den Naturwissenschaften, jegliches Geschehen im Universum, gleicht einem Spiel; die Spielregeln sind hier die Naturgesetze und das Glück der Zufall.“

Die Austellung läuft bis 31. Oktober 2005 und ist Montags bis Donnerstags in der Zeit von 9 bis 15 Uhr in den Räumen der Europäischen Akademie zu besichtigen.

Sponsoren der Ausstellung sind: Firma Wahrlich Druck GmbH und Kultursommer Rheinland Pfalz